27-02-05 Koalitionvertrag 2023
Tekst van het document
810 811 812 813 814 815 816 817 818 819 820 821 822 823 824 825 826 827 828 829
Die Koalition wird: • die „Tourismusstrategie 2025“ umsetzen und insbesondere unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten weiterentwickeln und für die Zeit nach 2025 fortschreiben. • die regionale und überregionale Vermarktung des Tourismusstandortes durch Kampagnen wie „Mehr als Märchen“, Tourismustage und Themenjahre fortsetzen. Hierbei haben die Themenfelder kulturelles Erbe, Kunst- und Kulturerlebnis, Genusskultur, Wissens- und Erlebniswelten, Kongress- und Veranstaltungswesen eine besondere Bedeutung. • den Radtourismus (Projekt BIKE IT!) stärken. • beide Städte als Flusskreuzfahrtdestinationen etablieren. • weiterhin publikumsstarke und überregional wirksame Veranstaltungen in den Bereichen Kultur und Sport im Land Bremen fördern und hierbei die Kostensteigerungen und Inflation für Veranstaltungen berücksichtigen. • die Angebote im Bereich Tagungen, Unterhaltung und Wissensvermittlung weiterentwickeln, modernisieren und digitalisieren. • dem Bereich Barrierefreiheit in allen Angeboten eine wichtige Rolle beimessen. • die ganzjährigen Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag der Seestadt Bremerhaven im Jahr 2027 finanziell absichern. • die Sail Bremerhaven 2025 als die zentrale Großveranstaltung des Landes Bremen finanziell absichern.
Koalitionsvertrag für die 21. Wahlperiode der Bremischen Bürgerschaft
21
830 831 832 833 834 835 836 837 838 839 840 841 842 843 844
• die beiden Säulen Tourismusmarketing und Standortmarketing ergänzen um die Säule Identitätsmarketing, um Bremer*innen zu Botschafter*innen ihrer Wohnorte zu machen. Die Mittel für das Standortmarketing müssen auf das frühere Niveau angehoben werden. Für das Identitätsmarketing müssen neue Mittel im Haushalt eingestellt werden. • das „Freizeit- und Naherholungskonzepts (FUNK) im Bremer Norden“ revitalisieren, sowie Belebung und Weiterentwicklung der Maritimen Meile mit dem Schwerpunkt auf dem Gebiet rund um den Museumshafen Vegesack vorantreiben. • zur Gewährleistung der Durchführung der Traditionsveranstaltungen Osterwiese, Freimarkt und Weihnachtsmarkt – fortlaufend Mittel im Haushalt bereitstellen. Angesichts gestiegener Kosten ist eine Anpassung der Jahrmarktgebühren unumgänglich. Allerdings ist zu beachten, dass die in den letzten Jahren deutlich gestiegenen Kosten, insbesondere im Bereich der Sicherheits- und Verkehrsmaßnahmen, nicht vollständig an die Schausteller*innen weitergegeben werden können. • wie in Hamburg prüfen, ob zur Erhöhung der Mittel aus der City-Tax für den Tourismus zukünftig auch eine Besteuerung der Geschäftsreisenden erfolgen soll. Die hierdurch erzielten Steuereinnahmen sollen dabei unmittelbar dem Tourismus zu Gute kommen.
845 846 847 848 849
Handwerk Das Handwerk bringt den Klimaschutz ganz praktisch auf die Straße und in die Gebäude. Das Handwerk ist in Bremen ein Beschäftigungsmotor, aber auch hier stellt die Gewinnung von Fachkräften zunehmend eine Herausforderung dar.
850 851 852 853 854 855 856 857
Die Koalition wird: • in der Berufsorientierung, in der Ausbildung und in der Weiterbildung sowie Qualifizierung die Wege dafür ebnen, dass mehr Menschen für diese Berufe gewonnen werden können. • eine zeitgemäße Ansprache von Frauen etablieren: Geschlechterstereotype müssen aufgelöst und neue Berufsbilder von alten Denkmustern losgelöst werden. • darauf hinwirken, dass Betriebe flexiblere Arbeitszeitmodelle schaffen, um mehr weibliche Auszubildende für Ausbildungsberufe zu gewinnen.
858 859 860
861
862 863 864 865 866 867 868 869
Wir wollen das Handwerk ermutigen mehr und flexiblere Praktikumsmöglichkeiten anzubieten und schaffen Gelegenheiten, um Schüler*innen, Lehrkräften und Eltern über die zukunftsträchtigen Möglichkeiten im Handwerk zu informieren: Ȼ mit Informationsabenden für Eltern von angehenden Auszubildenden und engeren praxisnahen Kooperationen zwischen Schulen und Unternehmen. Ȼ wir wollen gemeinsam mit der Handwerksammer eine Ausbildungsoffensive voranbringen, die die Modernität und Zukunftsfähigkeit vieler Handwerksberufe herausstellt und aktiv bewirbt. indem wir die Förderung für Berufsorientierungskräfte im Handwerk dauerhaft finanziell absichern. Ȼ nach dem Vorbild des neu geschaffenen dualen Studiengangs Gebäudeenergietechnik weitere Studiengänge – auch mit der Hochschule Bremen –entwickeln und ggf. fördern. Ȼ indem wir die Gründung eines Instituts für das Klimahandwerk in Bremerhaven prüfen. Ȼ indem wir uns für sprachsensible Abschlussprüfungen einsetzen, um junge Menschen mit Flucht- und Migrationsbiografien auf ihrem Weg ins Handwerk unterstützen.
870 871 872
Sozialunternehmen (social entrepreneurship) Die Unterstützung für diese Art des Unternehmertums soll verstetigt und weiter verbessert werden.
873 874 875 876 877
Die Koalition wird: • gemeinsam mit den öffentlichen und privaten Akteur*innen aus den Gründungsinstitutionen ein Gründungsökosystem realisieren, das alle Kompetenzen des Standorts für Gründende sichtbar und erreichbar macht. Damit wollen wir die Quantität und Qualität der Gründungen weiter erhöhen, neue
Koalitionsvertrag für die 21. Wahlperiode der Bremischen Bürgerschaft
22
878 879 880 881 882
hochwertige Arbeitsplätze schaffen und den Standort als attraktiver Gründungsstandort über die Landesgrenzen hinaus bekannt machen. • neue Förderinstrumente (ggf. in Form eines Inkubator-Programms) für Bremen und Bremerhaven entwickeln, das für soziale Projekte mit wirtschaftlichem Potenzial und Gründungen von Sozialunternehmen in der Vorgründungs- oder Gründungsphase eine finanzielle Absicherung bietet.
883 884
Kreativwirtschaft
885 886 887 888 889 890 891 892 893 894 895 896
Die Koalition wird: • das POP Office langfristig absichern und in die Lage versetzen, neben der Netzwerkarbeit auch Förderprogramme für Musiker*innen aufzusetzen. • Bremer Medien- und Filmkunstschaffende unterstützen. Wir wollen durch überregional wahrnehmbare Veranstaltungen sowie Fortbildungs- und Förderprogrammen mit zeitgemäßen Medien- und Filmproduktionen bundesweit sichtbar in Erscheinung treten. Dazu gehören auch international relevante Veranstaltungen wie das Filmfest. • den Medienstandort Bremen im Rahmen des Standortmarketings positionieren, auch um ihn für Fachkräfte und Gründer*innen attraktiver zu machen. • künftig die Games-Branche im Kontext der Nordmedia fördern. Die Nordmedia hat die nötigen Strukturen und Erfahrungen, die Förderung der Entwicklung von E-Games zu gewährleisten.
897 898 899 900 901 902 903 904 905 906
Wirtschaftsförderung Die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) wird in Zukunft auf Grund der beschlossenen Flächenkreislaufwirtschaft und der gestiegenen Anforderungen an Gewerbegebiete, Investoren, Ansiedlungs- und Erweiterungspolitik weniger Immobilienhandel und mehr Unternehmensberatung, Unternehmens- und Gewerbegebietsbetreuung als Regelaufgabe nachgehen müssen. Auch soll sie zukünftig eigene industriepolitische und standortspezifische Projekte entwickeln. Die WFB hat im Sinne eines „Transformationsdienstleisters“ eine zentrale Bedeutung bei der Umsetzung der wirtschaftsbezogenen Maßnahmen der vom Senat beschlossenen Klimastrategie 2038. Hierzu muss sich die WFB weiterentwickeln sowie finanziell, personell und organisatorisch neu aufgestellt werden.
907 908 909 910 911 912 913 914 915 916 917 918 919 920 921 922 923
Die Koalition wird: • die erfolgreiche Außenwirtschaftsförderung mit Delegationsreisen, Messeauftritten, Forcierung der norddeutschen Kooperation in der Außenwirtschaftsförderung sowie die Förderung von Messeauftritten kleiner Unternehmen auf internationalen Messen fortsetzen. • die bisherigen Ansiedlungsaktivitäten von WFB und BIS durch die Inhaltliche Konzentration auf die bremischen Innovations- und Schwerpunktbranchen fortsetzen und eine länderunabhängige Akquisitionsstrategie für Schwerpunktbranchen und mit Fokus auf unsere Transformationshubs entwickeln. Ergänzt werden die Maßnahmen durch die gezielte Anwerbung von Fachkräften. • die Marketingkonzepte und Kampagnen weiterentwickeln und durch ein systematisches Stadtmarketing den Wirtschafts-, Arbeits-, Freizeit- und Tourismusstandort Bremen nach innen und nach außen so zu präsentieren und Aufmerksamkeit zu erzeugen, dass ein positives Image und Gesamtbild entsteht. • ein neues Identitäts- und Standortmarketing fördern. Die Mittel für das Standortmarketing und für das neue Identitätsmarketing müssen bereitgestellt werden. • das Stadtportal Bremen.de, den digitalen barrierefreien Stadtführer, die Bremen-Apps, die begleitenden Social-Media-Kanäle und digitalen Kampagnen fortführen.
924 925 926
Erstmalig wurde in der letzten Legislaturperiode das operative Ziel „Gendergerechtigkeit und Diversität“ als Querschnittsziel in der Innovationsstrategie des Landes und im EFRE Programm festgeschrieben.
Koalitionsvertrag für die 21. Wahlperiode der Bremischen Bürgerschaft
23
927 928 929 930 931 932 933 934 935 936
Die Koalition wird: • mit der Fördermaßnahme „Gender Diversity in KMU“ gezielt genderspezifische Projekte fördern um Frauen stärker als bisher für Fach- und Führungspositionen zu gewinnen damit einen Beitrag zur Fachkräftesicherung insbesondere in den Bereichen IT- und Digitalbranche sowie Handwerk leisten. • Projekte von Unternehmen und Unternehmensverbünden fördern, sowie Begleitmaßnahmen im Bereich Marketing und Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung umsetzen. • die Förderberatung um das Thema der Gendergerechtigkeit verstärken, Branchen mit hohem Frauenanteil mit wirtschaftsförderlichen Maßnahmen adressieren, die Gründungsaktivitäten von Frauen unterstützen und dafür sorgen, dass mehr Frauen von den Programmen und Maßnahmen der Wirtschaftsförderung profitieren.
937 938 939 940 941 942
Gesellschaften Die Gesellschaften leisten einen wichtigen Beitrag für Bremens Standortmarketing, Veranstaltungswesen sowie für Gastronomie, Beherbergungswesen und Einzelhandel. Die Gesellschaften stehen insgesamt vor der Herausforderung, die finanziellen Auswirkungen des Ukrainekrieges (Energiekosten, Kostensteigerungen,) und der auch hiermit verbundenen Tarifsteigerungen aufzufangen.
943 944 945 946 947 948 949 950 951 952 953 954 955 956 957 958 959 960
Die Koalition wird: • die M3B bei der Konsolidierung der Gesellschaft unterstützen, damit sie ihre wirtschaftsfördernde Rolle auch in Zukunft effektiv wahrnehmen kann. Gleichzeitig muss die von der M3B genutzte Infrastruktur und auch das (Veranstaltungs-)Geschäft in allen Geschäftsbereichen der M3B in Richtung Klimaneutralität und Nachhaltigkeit weiterentwickelt werden. Hierzu müssen die Mittelansätze wieder angeglichen werden. • der M3B Mittel zur aktiven Eigenentwicklung und Akquisition von Leitveranstaltungen im Messe- und Kongressbereich für Bremen zur Verfügung stellen. • gemeinsam mit den Veranstaltern anstreben, ein kostenloses ÖPNV-Ticket für alle M3B-Veranstaltungen anzubieten. • das CongressCentrumBremen (CCB) revitalisieren und weiterentwickeln, da es attraktive und nachhaltige Marktchancen als Tagungs- und Kongresslocation gibt. In Kombination mit einem baulichen Gesamtkonzept sowie Erweiterung der Kongressfläche besteht die Möglichkeit, den Bremer Kongress- und Messemarkt neu aufzustellen sowie Marktanteile zu halten und auszubauen. • einen Erweiterungsbau für das Universum planen. Dieser soll einen 360°-Projektionsraum für multimediale Erlebnisse beherbergen. Dieser Raum wird auch als Planetarium genutzt werden. Darüber hinaus sind Kreativ-, Denk-, Labor- und Werkstatträume angedacht.
961 962 963 964 965 966 967 968 969 970
Kohäsionspolitik / Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) Die Einwerbung und Nutzung von Mitteln der Kohäsionspolitik und die Bereitstellung eigener Landesmittel zur Kofinanzierung sind von herausragender Bedeutung für die Wirtschafts- und Strukturpolitik des Landes. Im Rahmen der Kohäsionspolitik stellt der Europäische Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) ein zentrales und bewährtes Finanzierungsinstrument insbesondere für wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Stärkung von Forschung und Innovation, Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit von KMU sowie Steigerung von Gründungsaktivitäten im Land Bremen dar. Darüber hinaus leistet der EFRE einen Beitrag zur Energieeffizienz und zur Klimaanpassung.
971 972 973 974 975 976
Die Koalition wird: • die für eine zielgerichtete, schnelle und unbürokratische Umsetzung des EFRE-Programms notwendigen Ressourcen und Haushaltsmittel bereitstellen. Dies gilt auch für temporäre zusätzliche EU-Mittel, die über die bestehenden Strukturen oder im Rahmen des EFRE-Programms umgesetzt werden sollen.
Koalitionsvertrag für die 21. Wahlperiode der Bremischen Bürgerschaft
24
977 978 979 980 981 982 983 984 985
Wirtschaftsstandort Bremerhaven Der Standort Bremerhaven hat sich in den traditionellen Branchenschwerpunkten wie der maritimen Wirtschaft, der Hafenwirtschaft, der Lebensmittelwirtschaft und im Tourismus in einem schwierigen Wettbewerbsumfeld behauptet und positioniert. Neue Themenfelder mit Herausforderungen und Chancen kommen dazu, so insbesondere der Bereich der Klimaschutztechnologien und der Wissenschaftslandschaft. Wie jeder andere Standort auch befindet sich Bremerhaven in einem starken Wettbewerb um Fach- und Arbeitskräfte. Daher muss sich Bremerhaven als attraktiver Arbeits-, aber auch Lebensstandort sowohl überregional positionieren als auch vor Ort weiterentwickeln.
986 987 988 989 990 991 992 993 994 995
Die Koalition wird: • durch die Bereitstellung von GRW-Mitteln die Aufwertung der Bremerhavener Innenstadt durch eine deutlich bessere Verbindung zu den erfolgreichen Havenwelten und den eingeleiteten Planungsprozess zur Optimierung dieser Anbindung über eine Querung der Columbusstraße, aber auch über eine zusätzliche Querung des Alten Hafens unter Nutzung der umzugestaltenden Grundstücke Eulenhof und Karstadt unterstützen. • die Freiraumplanung im Umfeld des Deutschen Schifffahrtsmuseums vorantreiben und in das Gesamtkonzept der Wiederherstellung der Gebäude Scharoun und Bangert sowie des Museumshafens integrieren.
996 997 998
Arbeit
999 1000 1001 1002 1003 1004
Gute Arbeitsbedingungen bleiben ein Schwerpunkt dieser Koalition. Wie in der vergangenen Legislaturperiode werden wir alle landesrechtlichen Möglichkeiten nutzen, um die Tarifbindung zu stärken. Auf Bundesebene werden wir uns weiterhin dafür einsetzen, dass Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umgewandelt, Leiharbeit weitgehend abgeschafft wird und Befristungen auf ein notwendiges Minimum beschränkt werden.
1005 1006 1007 1008
Qualifiziertes Personal ist inzwischen ein entscheidender Standortfaktor. In Zeiten einer allumfassenden wirtschaftlichen Transformation sind Ausbildung und Qualifizierung der Schlüssel zur Erwerbsbeteiligung und zur Lösung des Fachkräftemangels.
1009 1010 1011 1012 1013 1014
Wir müssen feststellen, dass Erwerbslosigkeit oft Bremer*innen ohne deutsche Staatsbürgerschaft betrifft. Um einen zweigeteilten Arbeitsmarkt mit Arbeits- und Fachkräfteengpässen bei strukturell verfestigter Langzeitarbeitslosigkeit zu vermeiden, werden wir uns daher verstärkt den Herausforderungen hinsichtlich schulischer und beruflicher Qualifizierung sowie deren Anerkennung, Sprachförderung und Integration widmen.
1015 1016 1017
Zum Erhalt der Industriestandorte Bremen und Bremerhaven kann zudem Fachkräftezuwanderung aus dem Ausland dazu beitragen, die Nachfrage nach Arbeitskräften zu decken.
1018 1019 1020 1021
Faire Arbeitsbedingungen und gute Löhne sind Grundlagen für einen gerecht ausgestalteten Arbeitsmarkt. Gute Arbeit ist tariflich gerahmt, betrieblich mitbestimmt, gerecht entlohnt, sozial abgesichert. Gute Arbeit ist die Grundlage für ein selbstbestimmtes Erwerbsleben und damit ein Leben in Würde.
1022 1023 1024 1025 1026
Die Koalition wird: • den Weg, mit dem Tariftreue- und Vergabegesetz die Rechte der Arbeitnehmer*innen bei öffentlichen Aufträgen zu stärken, konsequent weitergehen und weitere Kriterien im Zusammenhang mit Regelungen anderer Bundesländer berücksichtigen, z.B. Gendergerechtigkeit, Entgeltgleichheit und Ausbil-
Koalitionsvertrag für die 21. Wahlperiode der Bremischen Bürgerschaft
25
1027 1028 1029 1030 1031 1032 1033
dungsquote. • gemeinsam mit den Sozialpartnern auch auf Bundesebene nach weiteren Möglichkeiten suchen, All gemeinverbindlichkeitserklärungen auszusprechen. Für die Stärkung der Tariftreue ist die breitere Anwendung der Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen von großer Bedeutung. • die Kontrolle der Einhaltung von Mindestlöhnen sicherstellen. Wir bekennen uns zum Landesmindestlohn in der bestehenden gesetzlichen Fassung. • sich im Bund für eine Anhebung der Mindestausbildungsvergütung einsetzen.
1034 1035 1036 1037 1038
Ausbildung Wir wollen mehr junge Menschen für Ausbildungen gewinnen. Mit flexiblen Ausbildungsmodellen, einem Azubiticket analog zum Semesterticket und besserer, zielgruppenspezifischer Berufsorientierung in den allgemeinbildenden Schulen unterstützen wir Azubis, Betriebe und Berufsschulen.
1039 1040 1041 1042 1043 1044 1045 1046 1047 1048 1049 1050 1051 1052 1053 1054 1055 1056 1057 1058 1059 1060 1061 1062 1063 1064 1065 1066 1067 1068 1069 1070 1071
Die Koalition wird: • die überbetrieblichen Ausbildungsverbünde grundsätzlich gemäß den Bedarfen fortführen und dabei einen Schwerpunkt auf das erste Ausbildungsjahr und die Vermittlung in die Betriebe legen. • betriebliche Ausbildungsverbünde fördern, um insbesondere kleinen Unternehmen mehr Ausbildung zu ermöglichen. Wir bemühen uns gemeinsam mit den Unternehmen darum, dass mehr betriebliche Ausbildungsplätze in Bremen entstehen, sich die Ausbildungsqualität erhöht und so mehr Jugendliche die Ausbildung erfolgreich absolvieren. Dazu werden wir zusammen mit den Unternehmen Unterstützungsbedarfe identifizieren. • Ausbildungsverhältnisse an die unterschiedlichen Lebenslagen von Auszubildenden anpassen und daher möglichst viele Teilzeitausbildungen realisieren, um auch jungen Eltern, Alleinerziehenden oder Personen, die aufgrund von Erkrankungen weniger belastbar sind, einen Abschluss zu ermöglichen. • zusätzlich zum Azubiwohnheim am Ellener Hof weitere Azubi- und Studierendenwohnheime sowie offene, auf junge Menschen ausgerichtete Wohnangebote, z.B. in der Innenstadt, im Blumenthaler Zentrum sowie im historischen Gebäudebestand des Bremerhavener Goethe-Viertels und Gröpelingen sowie im Umfeld des neuen Aus- und Weiterbildungscampus schaffen.
• die Arbeit der Jugendberufsagentur durch eine neue gemeinsame Koordination optimieren und durch eine neutrale Stelle an der Universität Bremen evaluieren. Gleichzeitig soll die Präsenz in den Schulen und in den Quartieren mit entsprechenden Ressourcen verstärkt werden, um vor Ort mehr Jugendliche zu erreichen. Wir wollen einen stärkeren Fokus auf Schulabgänger*innen, um einen Übergang in Betriebe und nicht ins Übergangssystem zu forcieren. • die Zusammenarbeit der Partner*innen der JBA mit den Ausbildungsverbünden und anderen zentralen Akteuren (wie z.B. dem „Zentrum für Schule und Beruf“ beim DRK Bremen zur Unterstützung von Maßnahmen von Land und der Kommunen Bremen und Bremerhaven weiterentwickeln. • den Ausbildungsunterstützungsfonds umsetzen, damit junge Menschen ihr Recht auf Ausbildung auch wahrnehmen können. Dieser soll neben einer Unterstützung der ausbildenden Betriebe im Bereich Didaktik und Recruiting dazu dienen, überbetriebliche Unterstützungssysteme vorzuhalten, z.B. bei der „fachbezogenen“ Sprache, soziale und psychologische Betreuung sowie der überbetrieblichen Fachausbildung. Für die Umsetzung des Fonds werden Personalmittel für die umsetzende Stelle, sowie die Entwicklung der Software benötigt. Gleichzeitig braucht es personelle Unterstützung im Arbeitsressorts für die Verwaltung der Maßnahmen des Fonds.
Diese Bedarfe sind im Landeshaushalt abzusichern.
1072 1073 1074 1075 1076
Die ABiG (Ausbildungsgesellschaft mbH) hat seit 2020 wieder eine zentrale Rolle im Ausbildungsmarkt des Landes; aktuell v.a. im Ausbildungsverbund und mit diversen Modellprojekten zur Ausbildungssicherung in der Stadt Bremen. Diese soll sie bei der Gewinnung der zukünftigen Fachkräfte auch weiterhin einnehmen.
Koalitionsvertrag für die 21. Wahlperiode der Bremischen Bürgerschaft
26
1077 1078 1079 1080 1081 1082 1083 1084 1085
Langzeitarbeitslosigkeit / Arbeitsmarktförderung / öffentlich geförderte Beschäftigung Für die Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Beschäftigung finden, wollen wir dauerhaft öffentlich geförderte Arbeitsmöglichkeiten vorhalten und damit nachhaltige Perspektiven und Anerkennung schaffen. Um einen Beitrag zur Arbeitskräfteversorgung und zur sozialen Teilhaben zu schaffen, werden wir in den Quartieren überwiegend sozialversicherungspflichtige, mindestens nach Landesmindestlohn bezahlte Arbeitsstellen schaffen, die gesellschaftlich gewinnbringend sind und den Beschäftigten neue berufliche Perspektiven eröffnen. Wir wollen den Sozialen Arbeitsmarkt ausbauen um gemeinwohlorientierte Arbeiten in den Quartieren zu stärken und Menschen Perspektiven bieten. Hierfür sind Landesmittel zur Verfügung zu stellen.
1086 1087 1088 1089 1090 1091 1092 1093 1094 1095 1096 1097 1098 1099 1100 1101 1102 1103 1104 1105
Die Koalition wird: • mit den Beschäftigungsträgern als Partner*innen die arbeitsmarktpolitischen Landesprogramme ausbauen. • sich im Bund dafür einsetzen, im SGB II den § 16d für Weiterbildung zu öffnen, die §§ 16 i) und e) zu reformieren, indem die fünfjährige Förderdauer bei Bedarf ausgeweitet wird. • sich für die Aufstockung der Mittel stark machen, sodass mehr Menschen beschäftigt werden können. • den § 16 i des SGB II perspektivisch nutzen, um für ausgewählte Berufsfelder, wie z.B. Berufskraftfahrer*innen, Lagerarbeiter*innen oder Sozialassistent*innen, vorbereitende Weiterbildungsmaßnahmen anzubieten und auch geeignete Teilnehmende durch beschäftigungsbegleitende Lehrgänge oder modulare Nachqualifizierung bis zu einem Berufsabschluss zu bringen. • das Programm LAZLO verstetigen und finanziell so ausstatten, dass die vorhandenen Bedarfe im Land befriedigt werden können. Vor dem Hintergrund der zukünftig reduzierten ESF Mittel ist eine auskömmliche Finanzierung arbeitsmarktpolitischer Programme sicherzustellen. • sich im Bund dafür einsetzen, die Möglichkeit zu schaffen, nicht ausgegebene Mittel im Eingliederungstitel (EGT) auf das nächste Jahr zu übertragen. • die Sprachförderung und Grundbildung als Querschnittsthema während der Arbeitslosigkeit, in Ausbildung, Weiterbildung oder während der Beschäftigung verstetigen.
Weiterhin ist die dauerhafte Einstellung und Finanzierung von Sprach- und Kulturmittlern notwendig, um die soziale Begleitung zu gewährleisten.
1106 1107 1108 1109 1110 1111 1112 1113 1114 1115 1116
Sozialen Zusammenhalt im Quartieren Menschen können am besten vor Ort erreicht werden. Daher brauchen wir mehr Beratungs- und Weiterbildungsangebote in den Quartieren. Erfolgreiche Projekte wie die THEO in Bremerhaven, die Stadtbibliothek Gröpelingen oder quartiersbezogene Kleinstprojekte (Lokales Kapital für soziale Zwecke) zeigen die Effizienz solcher integrierten Lösungen, in denen viele Angebote unter einem Dach verortet sind und eine Vertrauensbasis im Quartier aufgebaut werden kann. So können Menschen in komplexen Lebenslagen besser unterstützt werden. Um das umzusetzen, müssen wir die Bedarfsträgerschaften bevorzugt in Quartieren finanziell absichern und unsere arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen genau auf die Bedarfe der Kund*innen abstimmen. Nur so können wir einer immer diverser werdenden Gesellschaft gerecht werden.
1117 1118 1119 1120 1121 1122 1123 1124 1125 1126
Jobcenter Die Ziele des Jobcenters wollen wir zukünftig gemeinsam mit allen kommunalen Trägern definieren. So können wir besser steuern und die primären Ziele, den Abbau von Langzeitleistungsbezug und die Ausschöpfung des EGT, sichern. Um die Leistungsfähigkeit des Jobcenters und die Betreuung der Kund*innen des Jobcenters zu gewährleisten, ist die Verfügbarkeit von Personal ein zentraler Faktor. Wir wollen daher Maßnahmen prüfen, um im kommunalen Bereich die Akquise von Personal zu erleichtern und die Fluktuation zu verringern. Wir wollen zukünftig mehr Modellprojekte, gemeinsam mit der Agentur und den Jobcentern umsetzen. Eine gemeinsame Nutzung der Erfahrungen aus den Modellprojekten für Menschen mit Migrationshintergrund und niedrigschwellige Quartiersmodelle für Frauen mit der Regelförderung der
Koalitionsvertrag für die 21. Wahlperiode der Bremischen Bürgerschaft
27
1127 1128
Jobcenter wird angestrebt. Eine Zwischenfinanzierung der erfolgreichen Modelle während des Transfers in die Regelförderung benötigt Mittel aus dem Landeshaushalt.
1129 1130 1131 1132 1133 1134 1135 1136 1137 1138 1139 1140
Weiterbildung und Qualifizierung In der Transformation werden Beschäftigte perspektivisch die Branche oder den Beruf wechseln. Bei diesen Umstiegen brauchen sie Unterstützung über das Regelinstrumentarium hinaus. Die anstehende Legislaturperiode fällt in eine Zeit, in der maßgebliche Weichen gestellt werden müssen, um die Energie- und Mobilitätswende voranzubringen, den Herausforderungen der Digitalisierung und der demografischen Entwicklung zu begegnen und dem Fachkräftemangel effektiv etwas entgegenzusetzen. Mit der Fachkräftestrategie des Landes wurden bereits zentrale Handlungslinien beschrieben, dennoch sind im Transformationsprozess viele Fragen zu beantworten und diese können nur gemeinsam mit allen Akteuren, Sozialpartner*innen, Kammern, Verbände, Verwaltung und Politik gelöst werden. Daher wollen wir mit einem Transformationsrat ein Forum schaffen, in dem die Herausforderungen der Transformation diskutiert und die Prozesse begleitet und bewertet werden.
1141 1142 1143 1144 1145 1146 1147 1148 1149 1150 1151 1152 1153 1154 1155 1156 1157 1158 1159 1160 1161 1162 1163 1164 1165 1166 1167 1168 1169 1170 1171 1172 1173 1174 1175 1176
Die Koalition wird: • gemeinsam mit der Wirtschaft eine Transitionsgesellschaft – wie sie auch von der Bremer Klima-Enquete vorgeschlagen wird – gründen, die Arbeitnehmer*innen in der Phase des Übergangs berät, begleitet, neue Perspektiven unterstützt und nach der Weiterbildung in andere Betriebe vermittelt. Anders als eine betriebliche Transfergesellschaft wird eine Transitionsgesellschaft nicht gegründet, wenn ein Betrieb aufgelöst wird, sondern wird frühzeitig als betriebsübergreifendes Angebot geschaffen. • die Regelinstrumente des Bundes im Rahmen des SGB III, SGB II und des Aufstiegsfortbildungs förderungsgesetzes konsequent nutzen. Wir begrüßen die Vorhaben der Bundesregierung, die Möglichkeiten zur Weiterbildung zu erweitern. Landesseitig werden wir mit der Landesagentur für berufliche Weiterbildung (LABEW) durch eine Weiterbildungsoffensive die bestehenden Fördermöglichkeiten sinnvoll ergänzen und Förderlücken schließen. Die LABEW werden wir zu diesem Zweck stärken, um den wachsenden Herausforderungen in den nächsten Jahren gerecht werden zu können. • die Erfolgsgeschichte der bremischen Aufstiegsfortbildungsprämie als Ergänzung zum Meister BAFÖG fortsetzen.
Wir werden auch in Zukunft nicht nur Meisterabschlüsse, sondern auch Aufstiegsfortbildungen wie zum Beispiel im Erziehungsbereich und in der Pflege fördern, um auch Aufstiege in frauendominierten Berufen gezielt zu unterstützen. • Anreize für Weiterbildung im Betrieb schaffen. Hierfür werden wir die Übertragbarkeit des niedersächsischen Projekts „Transformationslotsen“ prüfen und ggf. modifiziert zur Anwendung bringen. • für Geringqualifizierte, die unabhängig vom Arbeitgeber vom Ungelernten- auf das Fachkräfteniveau aufsteigen wollen, wollen wir mit einem Landesprogramm „Aufstieg zur Fachkraft“ eine Unterstützung zum Lebensunterhalts schaffen. Das Unterhaltsgeld übernimmt ggf. die Weiterbildungskosten, sofern eine Finanzierung nicht durch Regelförderung möglich ist. Weiterhin werden für diesen befristeten Zeitraum die Leistungen zum Lebensunterhalt übernommen, sofern eine Finanzierung der Aufstiegsförderung nach dem AFBG ausgeschlossen ist. Eine Finanzierung ist aus dem Landeshaushalt zur Verfügung zu stellen. • die etablierten Angebote für die Nachqualifizierung weiter ausbauen und verstetigen. Nur so stellen wir Durchlässigkeit her und schaffen Perspektiven, das Qualifikationsniveau kontinuierlich weiterzuentwickeln.
• die bestehenden Programme des Bundes für die Qualifizierung von Fachkräften und die berufsbegleitende Weiterbildung passen nicht zu jeder Situation. Daher wollen wir uns im Land für eine Flexibilisierung der Förderung einsetzen, damit mehr Menschen die Programme nutzen können. Hierbei geht es vor allem um Beschäftigte, die die Branche wechseln wollen.
Koalitionsvertrag für die 21. Wahlperiode der Bremischen Bürgerschaft
28
1177 1178 1179 1180 1181 1182 1183 1184
• strategische Personalplanung als ein zentrales Instrument nutzen, um die Qualifizierungsbedarfe im Unternehmen zu identifizieren und entsprechende Maßnahmen gemeinsam mit den Mitbestimmungsgremien umzusetzen. Da immer noch zu wenig Know How zu dem Thema in den Unternehmen vorhanden ist, wollen wir ein Beratungs-Förderprogramm dafür aufsetzen. • darauf hinwirken, dass die bremischen Hochschulen zukünftig verstärkt Weiterbildungen anbieten. Dies gilt es so zu koordinieren, dass es sich dabei um eine Ergänzung der Angebote der Weiterbildungsträger und damit in der Summe um eine Ausweitung handelt. Kooperationen zwischen Weiterbildungsträgern und Hochschulen werden wir unterstützen.
1185 1186 1187 1188 1189 1190
Geschlechtergerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt / Vereinbarkeit Die Koalition wird weiterhin einen Schwerpunkt darauf legen, die Erwerbstätigkeit von Frauen zu erhöhen. Gleiche Bezahlung für gleichwertige Arbeit sowie gleiche Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind unser Ziel. Wir fordern deshalb ein Entgeltgleichheitsgesetz auf Bundesebene mit verbindlichen Regelungen, wirksamen Sanktionen und einem Verbandsklagerecht.
1191 1192 1193 1194 1195 1196 1197 1198 1199 1200 1201 1202 1203 1204 1205 1206 1207 1208
Die Koalition wird: • die „Landesstrategie für Gendergerechtigkeit und Entgeltgleichheit“ konsequent umsetzen. Wir werden Kammern, Gewerkschaften und Verbände einladen, sich daran zu beteiligen. Dazu gehören Pilotprojekte zur Verbesserung der Situation von Frauen ebenso wie die Aufstockung der EFRE-Mittel (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung) für diesen Bereich. • um möglichst wirkungsvoll und abgestimmt zu agieren, die Maßnahmen aus der Landesstrategie Gendergerechtigkeit und Entgeltgleichheit um weitere Aspekte erweitern und zu einem Landesaktionsprogramm bündeln. Damit nachhaltig sichergestellt wird, dass alle Bereiche von Politik und Verwaltung in Planung und Umsetzung einbezogen sind, wird eine Senatskommission „Geschlechtergerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt“ eingerichtet. • sich auf Bundesebene für die Weiterentwicklung des Gleichstellungsgesetzes einsetzen. • die positiven Erfahrungen der Modelle „Wege in Beschäftigung“ und „Perspektive Arbeit für Frauen (PAF)“ zum Anlass nehmen, die diese auszubauen. Weitere mindestens 100 interessierte Personen, v.a. arbeits- und langzeitarbeitslosen Frauen, soll der Einstieg in die verschiedenen Niveaus des Erziehungsbereichs ermöglicht werden.
Hierfür werden die notwendigen Mittel für die Löhne der Personen im ersten Jahr durch den Landeshaushalt und die Ressourcen für die pädagogische Fachsprachausbildung zur Verfügung gestellt.
1209 1210 1211 1212 1213 1214 1215
Beschäftigung im öffentlichen Dienst Wir werden im öffentlichen Dienst des Landes Bremen und in den Beteiligungsgesellschaften Verfahren zur Offenlegung und Prüfung der Gehaltsstrukturen einführen. Das Land Bremen und die Städte Bremen und Bremerhaven sollen damit eine Vorbildfunktion einnehmen und mit Best Practice-Beispielen auch die Privatwirtschaft dazu animieren, mehr Transparenz über ihre Lohn- und Gehaltsstrukturen herzustellen.
1216 1217 1218 1219 1220 1221 1222
Passgenaue Kinderbetreuung ist aktive Arbeitsmarktpolitik Damit Frauen der Zugang zum Arbeitsmarkt und die Erwerbstätigkeit erleichtert wird, brauchen wir eine ausreichende und verlässliche Kinderbetreuung. Sie ist auch Grundvoraussetzung für Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen. Daher müssen wir eine Situation schaffen, in der niemand aufgrund mangelnder Kinderbetreuung eine Qualifizierungsmaßnahme nicht wahrnehmen kann. Dies erfordert insbesondere den Ausbau von Möglichkeiten zur unterjährigen Unterbringung in der Kinderbetreuung.
1223 1224 1225 1226
Die Koalition wird: • verlässliche und flexible, an den tatsächlichen Bedarfen angepasste Kinderbetreuung schaffen. Wir werden deshalb beim Kita-Ausbau die bessere Randzeitenbetreuung stark berücksichtigen, über die
Koalitionsvertrag für die 21. Wahlperiode der Bremischen Bürgerschaft
29
1227 1228 1229
•
1230 1231 1232
•
1233 1234 1235
•
1236 1237 1238 1239 1240 1241 1242
• •
Regelbetreuung hinaus auch flexible Kinderbetreuungseinrichtungen vorhalten und kreative LückenBetreuungsangebote ausbauen. flexible Betreuungsmodelle in allen Stadtteilen in Anlehnung an „Moki“ in Hemelingen ausbauen. Die Angebote müssen verknüpft sein mit der Qualifizierung der dort arbeitenden Betreuungspersonen, damit diese die Chance haben, in eine pädagogische Ausbildung/Weiterbildung einzumünden. in Zusammenarbeit mit Unternehmen und Gewerkschaften familienfreundlichere Arbeitszeitmodelle entwickeln und ausbauen (z. b: 4 Tage Woche), um insbesondere Alleinerziehenden eine Erwerbsarbeit zu ermöglichen. die praxisintegrierte Ausbildung zur/zum Erzieher*in (PIA) ausbauen und die Zahl der Plätze bis 2024 verdreifachen und bis zum Ende der Legislaturperiode mindestens vervierfachen. Wir wollen für die Vergütung von allen schulischen Ausbildungen sorgen und Quereinstiege so fördern, dass sie für Interessierte attraktiv sind. Dafür sind entsprechende Landesmittel zur Verfügung zu stellen. die Flexibilität in den Kitas erhöhen, um die Fachkräftegewinnung im Kitabereich zu erleichtern. Angebote für Menschen mit betreuungspflichtigen Kindern vom Spracherwerb bis zur abschlussbezogenen Weiterbildung wohnortnah ausweiten. Das Ziel muss sein, in allen Stadtteilen entsprechende Angebote vorzuhalten.
1243 1244 1245 1246 1247 1248
Fachkräftesicherung und -gewinnung Die Herausforderung des Fachkräftebedarfs wird durch Demografie, Digitalisierung und Dekarbonisierung weiter zunehmen, insbesondere in der IT-Wirtschaft, im Handwerk und in der aufstrebenden Wasserstoffwirtschaft/erneuerbarer Energien. Die Gewinnung von Fachkräften hat jetzt schon eine zentrale Bedeutung für die Zukunft.
1249 1250 1251 1252 1253 1254 1255 1256 1257 1258 1259 1260 1261 1262 1263 1264 1265 1266 1267 1268 1269 1270 1271 1272 1273 1274
Die Koalition wird: • die Maßnahmen, die in der Fachkräftestrategie formuliert wurden, konsequent umsetzen und sinnvoll mit allen Institutionen koordinieren. • Serviceangebote mit und für Unternehmen entwickeln, um Frauen stärker als Fach- und Führungskräfte in der IT-Wirtschaft zu gewinnen und die Rekrutierung von Fachkräften zu verbessern. • das Thema der Fachkräftegewinnung verstärkt im Rahmen des Standortmarketing in den Fokus nehmen. Dazu soll das Portal „Fachkraefte-fuer-Bremen“ einen Relaunch erfahren. • das Fach- und Arbeitskräftepotential auch durch Zuwanderung stärken. Daher werden wir ein Kompetenzcenter „Fachkräftegewinnung und Zuwanderung“ aufbauen und finanzieren. Zusätzlich werden wir professionelle Strukturen im Land schaffen, die beim „onboarding“ helfen, die Fachkräfteeinwanderung mit sozialen Begleitmaßnahmen flankieren und auch Zugängen zu Qualifizierungsmöglichkeiten schaffen. Der Willkommensservice der WFB soll daher in enger Kooperation mit der LABEW zu einem Kompetenzzentrum ausgebaut werden. • Frauen mit Migrations- und Fluchtbiografie gezielt und nachhaltig fördern, um ihnen einen gleichberechtigten Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Dazu soll eine umfassende und gendersensible Strategie erarbeitet werden.
Parallel zur Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland werden dabei die Potentiale, der bereits in Deutschland lebenden Migrantinnen und zugewanderten Frauen stärker gefördert. Ziel ist es, diese Frauen gezielt zu fördern und sie entsprechend ihrer bereits vorhandenen Qualifikationen, Bildung und eigenen Interessen zu fairen Bedingungen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Wir wollen daher analog zum Kitabereich ein Programm „Wege in Beschäftigung für Menschen aus dem Ausland“ aufsetzen. Die Finanzierung hierfür muss im Haushalt abgesichert werden. • Kultur- und gendersensible Beratungsangebote schaffen. Viele der bislang vorhandenen Angebote für geflüchtete Frauen sind finanziell nicht ausreichend ausgestattet und nur befristet gesichert. Wir wollen diese Einrichtungen und Projekte wie das ESF-geförderte Projekt “Your Turn” langfristig finanziell absichern.
Koalitionsvertrag für die 21. Wahlperiode der Bremischen Bürgerschaft
30
1275 1276 1277 1278 1279 1280 1281 1282 1283 1284 1285 1286 1287
Anerkennung ausländischer Abschlüsse Wir schaffen schnelle (Quer-)Einstiege und werden den notwendigen Service, wie eine schnelle Anerkennungsberatung, ausbauen. Um den Start im Land Bremen zu erleichtern, bieten wir bei Bedarf berufsintegrierte Sprach- und Bildungsangebote unabhängig vom Aufenthaltsstatus sowie den Erwerb von zusätzlichen Fachkompetenzen. Für Betriebe, deren Mitarbeiter*innen einen Migrations- bzw. einen Fluchthintergrund haben, werden wir auch zukünftig ein Unterstützungsangebot sicherstellen. Wer nach Bremen oder Bremerhaven kommt und Qualifikationen mitbringt, soll diese auch schnell nutzen können, wer Nachqualifizierung benötigt, soll diese einfach bekommen und Betriebe bekommen Unterstützung bei der Beschäftigung von Zugewanderten. Die Anerkennungsvoraussetzungen in den landesrechtlich geregelten Berufen wollen wir verbessern, die Anerkennungsberatung personell aufstocken und die Landesagentur für berufliche Weiterbildung zu einer strategischen Vermittlerin für Nachqualifizierungs- und Sprachkursangebote sowie Finanzierungsmöglichkeiten für ausländische Arbeitskräfte entwickeln und im Haushalt absichern.
1288 1289
1290
1291 1292 1293 1294 1295
Wir wollen uns im Bund dafür einsetzen, die Möglichkeiten der Anstellung von ausländischen Arbeitskräften ohne Abschluss zu erleichtern. Insbesondere Modelle, wie „Einwanderung klug, einfach und fair gestalten“ des IZA (Institute of Labour Economics) sind auf bundes- und Landesebene auf Umsetzungsmöglichkeiten zu prüfen. Das Modell koppelt die Erteilung einer befristeten Arbeitserlaubnis für Drittstaatsangehörige an ein vorliegendes Ausbildungs- oder Arbeitsplatzangebot in einem tarifgebundenen Unternehmen. Dadurch kommen tarifgebundene Unternehmen schneller zu Fach- und Arbeitskräften, bei gleichzeitigem Schutz der Betroffenen vor Ausbeutung. Zudem wird das bestehende Entgeltniveau nicht unterwandert und die Sozialkassen gestärkt, was die gesellschaftliche Akzeptanz von Zuwanderung unterstützt.
1296 1297 1298 1299 1300 1301 1302 1303
Arbeitsschutz und Rechte von Arbeitnehmer*innen Die Rahmenbedingungen, von Arbeit ändern sich. Mobiles Arbeiten und Homeoffice sind Beispiele für einen Wandel von einer Präsenzkultur hin zu einer reinen Ergebniskultur. Die Verlagerung von Verantwortung mit dem Risiko einer Entgrenzung von Arbeit ist die Folge. Die Koalition setzt sich, auch auf Bundesebene, für mehr Arbeitsschutz und Mitbestimmung ein. Arbeitsplatzgestaltung, Gestaltung von flexibleren Arbeitszeiten, Arbeitsorganisation oder Erreichbarkeit müssen im Arbeitsschutz, im Betriebsverfassungsgesetz und im Arbeitszeitgesetz neu betrachtet werden.
1304 1305 1306 1307 1308 1309 1310
Wir wollen, dass möglichst überall – auch im kirchlichen Bereich – die allgemeinen arbeitsrechtlichen Regelungen gelten. Bei öffentlich finanzierten Beschäftigungsverhältnissen im Bereich der Kirchen wollen mit den karitativen und sozialen Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft sowie den Gewerkschaften in einen Trialog treten, um Vereinbarungen zu erreichen, durch die die Betriebe auf die Anwendung kirchlichen Arbeitsrechts verzichten. Wir werden eine Bundesratsinitiative zur Abschaffung des kirchlichen Arbeitsrechts und des Dritten Wegs prüfen.
1311 1312 1313 1314 1315 1316 1317 1318 1319 1320 1321 1322
Die Koalition wird: • den Arbeitsschutz weiter verbessern und die Einhaltung von Mindestlöhnen kontrollieren. • die entsprechenden Beratungs-, Unterstützung- und Kontrollstrukturen stärken, insbesondere um Erwerbstätige aus der EU und aus Drittstaaten transparent über ihre Rechte als Arbeitnehmer*innen oder Selbstständige zu informieren. Unser Ziel ist es, faire Bedingungen für Zugewanderte aus allen Ländern zu schaffen. Dafür müssen sie ihre Rechte kennen und durchsetzen können. Besonders werden wir die Situation von migrantischen Frauen in der häuslichen 24h-Pflege in den Blick nehmen. Beratungsstellen wie MOBA müssen verstetigt werden. • gemeinsam mit unseren Partnern wie den Gewerkschaften und der Arbeitnehmerkammer klären, ob eine leicht zugängliche und unbürokratische Anlaufstelle geschaffen werden sollte, bei der anonym mögliche Gesetzesverstöße gemeldet werden können.
Koalitionsvertrag für die 21. Wahlperiode der Bremischen Bürgerschaft
31
1323 1324 1325 1326 1327 1328 1329 1330 1331 1332 1333 1334 1335 1336
• die Kontrollbehörden personell so ausgestatten, dass sie ihrem gesamten Aufga- benspektrum gerecht werden können. Insbesondere werden wir – entsprechend dem Arbeitsschutzkontrollgesetz von 2021 – die Kontrollen für den Arbeitsschutz ausweiten, um jährlich mindestens 5 Prozent der Betriebe überprüfen zu können. • die Arbeitsbedingungen bei digitalen Arbeitsplattformen verbessern. Wir unterstützen daher die Anstrengungen des europäischen Gesetzgebers, hier mit entsprechenden Regulierungen einzugreifen. Wir setzen uns dafür ein, prekäre Verhältnisse und Scheinselbständigkeit zurückzudrängen, damit Arbeitnehmer*innen in den Genuss aller Rechte kommen, die ihnen der Arbeitnehmer*innenstatus garantiert. • die Mitbestimmungsrechte von Arbeitnehmer*innen sichern. Um die Herausforderungen der Transformation mitgestalten zu können, braucht es das entsprechende Wissen. Hierfür schaffen wir ein Portfolio an Weiterbildungsmöglichkeiten für Interessenvertretungen. Dazu gehören auch akademische Weiterbildungsmöglichkeiten wie der Master für betriebliche Interessenvertretungen an der Universität Bremen und ein Mentoring Programm für Frauen in Mitbestimmungsgremien.
1337 1338 1339
Häfen
1340 1341 1342 1343 1344 1345 1346 1347 1348 1349 1350 1351 1352
Hafenentwicklung Die deutschen Seehäfen müssen beständig neuen globalen und regionalen Gegebenheiten, Anforderungen und Zielen angepasst werden. Geprägt werden diese durch Megatrends, wie die fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung, dem damit einhergehenden Wandel in der Arbeitswelt sowie den weitreichenden Anforderungen des Klimaschutzes. Die Hafen- und Logistikwirtschaft, die für die Versorgungssicherheit Deutschlands und Europas und auch für das Gelingen der Energiewende von herausragender Bedeutung ist, sieht sich mit der Veränderung von Lieferketten, von Schiffsgrößen und Antriebstechnologien konfrontiert. Hinzu kommen volatile wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen, die einen stetigen Reaktions- und Anpassungsdruck erzeugen. Um weiterhin die Tore zur Welt für den Erfolg der Exportnation Deutschland zu sein, stehen die Häfen vor der riesigen Herausforderung, ihre Hafeninfrastruktur den sich ändernden Rahmenbedingungen anzupassen. Für die bremische Hafenpolitik ist der Pfad für die nächsten Jahre im Hafenentwicklungskonzept 2035 gelegt.
1353 1354
Hafeninfrastruktur
1355 1356 1357 1358 1359 1360 1361 1362 1363 1364 1365 1366 1367 1368 1369
Die Koalition wird: • einen Schwerpunkt auf die Erneuerung unserer Hafeninfrastruktur legen. Die begonnene Sanierungsoffensive werden wir fortsetzen und alle bestehenden Hafenbereiche mit deren Anbindungen planungsrechtlich und vertraglich sichern. Maßgebliche Projekte sind in diesem Zusammenhang: Ȼ die Erneuerung der Kaje am Container-Terminal in Bremerhaven in den älteren Abschnitten 1-3a, Ȼ der Neubau der Drehbrücke im Überseehafen Bremerhaven, Ȼ der Neubau der Nordmole, Ȼ die weiteren Planungsschritte für den Bau der Westkaje im Fischereihafen, Ȼ Fertigstellung der bereits begonnenen Kajenerneuerung im Bereich Industriehafen/Kalihafen in Bremen-Stadt, Ȼ die gezielte Weiterentwicklung des Neustädter Hafens, u.a. durch Schaffung der planerischen Grundlagen für ein Terminal zur Zwischenlagerung und zum Export von CO₂, Ȼ die Fertigstellung der Columbuskaje und die Erneuerung des Columbusbahnhofs, um den Kreuzfahrtstandort Bremerhaven zu stärken.
1370 1371 1372
Anpassung des Hafenlastenausgleichs Nur wenn es verbindliche Zusagen des Bundes zu einer erheblichen Verstärkung der derzeitigen Ha-
Koalitionsvertrag für die 21. Wahlperiode der Bremischen Bürgerschaft
32
1373 1374 1375 1376
fenfinanzierung gibt, werden wir unserer Verantwortung für die Versorgungssicherheit der deutschen Volkswirtschaft und der Energiewende gerecht werden können. Wir werden im Zuge der Erarbeitung der nationalen Hafenstrategie den Bund in die Pflicht nehmen, sich mit höheren Beiträgen an der Finanzierung der Seehäfen zu beteiligen.
1377 1378 1379 1380 1381 1382 1383
Energy Port Der Energiewende-Standort Bremerhaven bietet eine Chance für die deutsche Klimapolitik. Die ambitionierten Klimaziele und die Verringerung der Abhängigkeit des Imports von fossilen Energieträgern ist nur mit den Häfen zu erreichen. Funktionierende Häfen sind zentrale Voraussetzung dafür, zusätzliche Offshore Windparks errichten und betreiben zu können und sie spielen eine wichtige Rolle für den Aufbau von Wertschöpfungsketten für neue Energieträger wie beispielsweise Wasserstoff.
1384 1385 1386 1387 1388 1389
Die Koalition wird: • die vom Senat beschlossene Planung eines Energy Port in Bremerhaven prioritär fortführen. Für eine Beschleunigung des Planungs- und Genehmigungsprozesses werden wir uns auf der Bundesebene initiativ dafür einsetzen, die für die Umsetzung der Energiewende erforderliche Errichtung entsprechender Hafeninfrastrukturen als vorrangigen Belang im EEG zu verankern.
1390 1391
Südlicher Fischereihafen und Lune Delta
1392 1393 1394 1395 1396 1397 1398 1399 1400 1401 1402 1403 1404 1405 1406 1407 1408 1409
Die Koalition wird: • in Verbindung mit der Planung des Energy Port die 100 Hektar des ehemaligen Flugplatzes sowie weitere angrenzende Areale im Bereich der Luneplate durch Unternehmensansiedlungen aus dem Bereich der Offshore Windenergie und der green economy bereithalten. In diesem Zusammenhang werden wir die Planungen für notwendige Anpassungen der Kajeninfrastruktur im abgeschleusten Bereich des Fischereihafens sowie für den Neubau von Anlagen am seeschifftiefen Wasser vorantreiben. Parallel erfolgt die weitere land- und wasserseitige Erschließungsplanung. • das innovative Gewerbegebiet LUNE DELTA nach Beendigung der Planungsphase in 2023 in die Umsetzung bringen und Mittel für die Aufsandung, für den Bau eines Mobility Hubs sowie die Ver- und Entsorgung und die Straßenerschließung des Areals bereitstellen. Ausgangspunkt für die Entwicklung des Gewerbegebietes ist das Gründerzentrum für Unternehmen aus dem Bereich green economy, das wir in dieser Legislaturperiode fertigstellen. • die begonnene Strategie zum Aufbau einer Testregion für die Anwendung von Wasserstofftechnologien fortsetzen. Unser Flaggschiffprojekt ist dabei das Testzentrum für die Entwicklung und Erprobung von Mobilitätslösungen. Die bereits zugesagten Bundesmittel werden wir für den Aufbau eines sogenannten Seegangsimulators (H2-3D-Teststand) verwenden.
Aus den Mitteln der Klimaschutzstrategie werden wir die Bauabschnitte 2 und 3 mit Technikum, Prüf- und Testständen realisieren.
1410 1411 1412 1413 1414
Werftenstandort Den tiefgreifenden Wandel der Schifffahrtsbranche verstehen wir als gemeinsame Aufgabe von Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft, den wir aktiv gestalten wollen. Initiativen zur Förderung einer autonomen Schifffahrt wollen wir unterstützen.
1415 1416 1417 1418 1419 1420 1421
Die Koalition wird: • den Werftenstandort Bremerhaven stärken und neue Chancen, die sich im Bereich Schiffbau, dem Ausbau der Erneuerbaren Energien und dem nachhaltigen Schiffsrecycling ergeben, für zusätzliche Wertschöpfung am Standort nutzen. Hierzu werden wir in enger Abstimmung mit den Werften die vorhandene Infrastruktur weiterentwickeln und gemeinsam die Nutzung der vorhandenen Flächen optimieren.
Koalitionsvertrag für die 21. Wahlperiode der Bremischen Bürgerschaft
33
1422 1423 1424
Smart Port Strategie Für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Häfen kommt Innovations- und Digitalisierungsprojekten eine herausragende Bedeutung zu.
1425 1426 1427 1428 1429 1430 1431 1432 1433 1434 1435
Die Koalition wird: • gemeinsam mit allen Stakeholdern und unter Einbindung der breit formierten Wissenschaftslandschaft die Smart-Port Strategie intensiv fortführen. Die Projekte Digitale Außenweser und das PrinosSystem Bremische Hafeneisenbahn sind neben einer Reihe weiterer Projekte (u.a. SAMS, Port2Connect, PortISAC, Zaun, HafenGIS, IWNET, Tide2use) bereits erfolgreich an den Start gegangen. Diesen Weg werden wir durch Etablierung einer festen Arbeitsstruktur in Form einer „Taskforce SMARTPort“ verstetigen. Fokusthemen unserer „SMART Port Strategie“ sind Infrastruktur, Cybersicherheit und Nachhaltigkeit. In diesem Kontext wollen wir die Häfen auch zu einem Testfeld für autonome Systeme entwickeln und die Digitalisierung der Port Community in Verbindung mit der Cyber-Security vorantreiben.
1436 1437 1438 1439
Green Ports Wir wollen die Häfen insgesamt einer Elektrifizierungsinitiative unterziehen und wo immer es möglich und wirtschaftlich vertretbar ist, auf eine Energieerzeugung aus Erneuerbaren Energien setzen.
1440 1441 1442 1443 1444 1445 1446 1447 1448 1449 1450 1451 1452 1453
Die Koalition wird: • in Abstimmung mit den Unternehmen in und um die Häfen zusätzliche Standorte für regenerative Energieerzeugung ausweisen. Unser Ziel ist es, mit den Konzepten „Klimaneutraler Überseehafen“ sowie „Klimaneutraler Fischereihafen“ auf eine schnelle Umsetzung der für einen klimaneutralen Hafenstandort 2035 identifizierten Maßnahmenpakete hinzuwirken. • um den notwendigen Transformationsprozess zu unterstützen, zudem ein klimaschutzorientiertes Förderprogramm auflegen, das die Umstellung des Terminalbetriebs auf emissionsfreie Fahrzeuge unterstützt. • den Ausbau der Landstromanschlüsse konsequent weiterverfolgen, um eine klimaneutrale Energieversorgung von Seeschiffen in bremischen Häfen zu erreichen. Auf europäischer Ebene werden wir die Umsetzung des Green Deals in Bezug auf die Häfen eng begleiten und dabei insbesondere auf eine Umsetzung der Landstromverpflichtungen und eine Harmonisierung der Nutzungsentgelte hinwirken.
1454 1455
Klimaneutrale Schifffahrt
1456 1457 1458 1459 1460 1461 1462 1463 1464 1465
Die Koalition wird: • in dem gemeinsam von Technologie-Transferzentrum (ttz) und Alfred-Wegner-Institut (AWI) getragenen Pilotprojekt MarSynFuel in Bremerhaven die gesamte Wertschöpfungskette von Produktion, Lagerung und Bebunkerung von grünem Methanol realisieren. Aufbauend auf diesen Erfahrungen und Kompetenzen werden wir im Dialog mit den Kraftstoffunternehmen darauf hinarbeiten, dass sich Bunkerkraftstoffe auf Basis erneuerbarer Energien in den bremischen Häfen etablieren. • außerdem die Öffentliche Hand bei der Dekarbonisierung der Schifffahrt selbst in die Pflicht nehmen und die eigene Flotte von Arbeits- und Baggerschiffen im Rahmen der begonnenen Erneuerung auf einen sicheren und dabei emissionsarmen Schiffsbetrieb umstellen.
1466 1467 1468 1469
Außenweser Beim Bund sind zwei voneinander getrennte Verfahren zur Frage der Vertiefung von Außenweser und Unterweser anhängig.
1470 1471
Wir stehen zur Anpassung der Fahrrinne der Außenweser. Diese ist im Verbund mit einer qualifizierten
Koalitionsvertrag für die 21. Wahlperiode der Bremischen Bürgerschaft
34
1472 1473 1474 1475 1476 1477
Unterhaltung des Fahrwassers die zentrale Voraussetzung, um den heutigen und künftig zu erwartenden Schiffen eine dauerhaft wettbewerbsfähige Erreichbarkeit Bremerhavens zu ermöglichen. Hierzu ist mit Niedersachsen das erforderliche Einvernehmen herzustellen. Vom Bund erwarten wir, die erforderlichen Planungen zügig und rechtssicher abzuschließen. Dabei sind hinsichtlich der Auswirkungen auf den Gewässerschutz die naturschutzfachlichen und umweltrechtlichen Vorgaben, wie etwa die Wasserrahmenrichtlinie und die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie, zu beachten.
1478 1479 1480 1481 1482 1483
Unterweser Hinsichtlich der ökologischen Folgen sowie der Auswirkungen auf den Hochwasserschutz werden wir die Anpassung der Unterweser von Bremerhaven bis Brake unter Berücksichtigung der vom Bund zu erstellenden Untersuchung der Umweltfolgen bewerten. Eine Vertiefung der Unterweser von Brake bis Bremen lehnen wir aus ökologischen Gründen ab und werden wir nicht mehr weiterverfolgen.
1484 1485 1486 1487 1488
Sedimentmanagement Zur Sicherung der für unsere Häfen erforderlichen Tiefen setzen wir auf einen nachhaltigen, umweltgerechten und wirtschaftlichen Umgang mit dem Baggergut. Dabei steht auch in Zukunft vor allem die Umlagerung von Sedimenten mit der sogenannten Wasserinjektionsmethode in unserem Fokus.
1489 1490 1491 1492
Die Koalition wird: • das eingeleitete Erneuerungsprogramm der bremischen Baggereiflotte mit einer Schwerpunktsetzung auf die Wasserinjektion zügig vorantreiben.
1493 1494 1495 1496
Hafeneisenbahn und Hinterlandanbindung Mehr als jeder zweite Container, der in Bremerhaven umgeschlagen wird, erreicht oder verlässt den Hafen mit der Eisenbahn.
1497 1498 1499 1500 1501 1502 1503
Die Koalition wird: • die Bremische Hafeneisenbahn weiter stärken, um diese Spitzenposition zu untermauern. Die Vorstellkapazität im Bereich Speckenbüttel werden wir erweitern. Wir werden innerhalb der Hafengebiete neue Verbindungen schaffen und, wo immer möglich, elektrifizieren und modernisieren. Wir werden die Bremische Hafeneisenbahn im Hinblick auf die Anforderungen des europäischen Systems der Leit- und Sicherungstechnik und elektronischer Steuerungssysteme fit machen.
1504 1505 1506 1507 1508 1509 1510 1511 1512 1513 1514 1515 1516
Bei den überregionalen Anbindungen berücksichtigen wir alle Verkehrsträger. Ein Schwerpunkt ist für uns die Erreichbarkeit der Hafengebiete durch Großraum- und Schwertransporte, denn diese sind für das Gelingen der Energiewende unabdingbare Voraussetzung. Die Planung und Umsetzung überregionaler Verkehrsprojekte mit herausragender strategischer Bedeutung für die bremischen Häfen, die jeweils in der Verantwortung des Bundes liegen, werden wir weiterhin einfordern. Hierzu gehört insbesondere das dritte Gleis zwischen Bremen und Bremerhaven. Zusätzlich setzen wir uns für weitere Rastkapazitäten an der BAB 27 zwischen Bremen und Bremerhaven ein, wobei Naturschutzgebiete und Moorflächen unangetastet bleiben sollen. Der Bahnknoten Bremen muss durch eine verbesserte Hinterlandanbindung der Häfen (Elektrifizierung der Strecke Bremerhaven-Bremervörde-Rotenburg) vom Güterverkehr entlastet werden. Wir setzen uns für die rasche und unabhängige Umsetzung der kapazitätssteigernden Maßnahmen des „optimierten Alpha-E plus Bremen“-Konzeptes ein, um einen reibungsloseren Schienenverkehr auf der Verbindung zwischen Bremen und Hannover zu gewährleisten.
1517 1518 1519 1520
Hafenverkehre Innerhalb des Hafengebietes Bremerhaven wollen wir Staus und wechselseitige Behinderungen der Verkehrsträger Straße und Schiene an den oft höhengleichen Kreuzungsbereichen reduzieren.
Koalitionsvertrag für die 21. Wahlperiode der Bremischen Bürgerschaft
35
1521 1522 1523 1524 1525 1526 1527 1528 1529
Die Koalition wird: • mit der Nutzung von Slot-Systemen und der Bereitstellung geeigneter sowie modernen Anforderungen genügender Vorstellflächen die Voraussetzungen für eine Optimierung der Hafenverkehre schaffen. Für den Knotenpunkt am Bahnübergang Senator-Borttscheller-Straße werden wir die Planung einer konfliktfreien Verkehrsführung beauftragen. Hierfür ist ein neues Verkehrskonzept für den Überseehafen zu erstellen, das u.a. auch die Terminalerweiterung im Bereich des Kaiserhafens I mit umfasst. Wichtiger Eckpunkt eines solchen Konzeptes ist eine Entlastung der Stadt Bremerhaven von hafenbezogenen Schwerlastverkehren. Wir setzen uns auch auf europäischer Ebene für gleiche Wettbewerbsbedingungen in den Häfen ein.
1530 1531 1532 1533
Genehmigungsprozesse beschleunigen Die Vergangenheit hat gezeigt, dass für die Realisierung von Infra- aber auch von Suprastrukturprojekten Entscheidungs-, Planungs- und Genehmigungsprozesse von entscheidender Bedeutung sind.
1534 1535 1536 1537 1538 1539
Deshalb wird die Koalition: • die planenden Einheiten als auch die Genehmigungsbehörden strukturell und organisatorisch in die Lage versetzen, die entsprechenden Aufgaben leisten zu können. Dabei wollen wir insbesondere für die Vielzahl der zu führenden wasserrechtlichen Genehmigungsverfahren die zuständigen Wasserbehörden organisatorisch und personell stärken.
1540 1541
Zusammenarbeit Bremen und Bremerhaven
1542 1543 1544 1545 1546 1547 1548
Die Koalition wird: • gemeinsam mit der Stadt Bremerhaven prüfen, ob und in welcher Weise kommunale Entscheidungsund Genehmigungsprozesse in die Hafenentwicklung Eingang finden können. In einem ersten Schritt wollen wir prüfen, ob die Zuständigkeit für die Bearbeitung von Bauanträgen für Bauvorhaben im stadtbremischen Hafengebiet künftig auf den Magistrat der Stadt Bremerhaven verlagert werden kann.
1549 1550 1551 1552 1553 1554 1555 1556 1557 1558 1559 1560 1561 1562 1563 1564 1565 1566
Hafenkooperation Gestützt auf unsere Verantwortung für die bremischen Häfen und den interfraktionellen Beschluss der Bremischen Bürgerschaft zur Nationalen Hafenstrategie werden wir uns aktiv in die Gestaltung der nationalen wie europäischen Hafen- und Schifffahrtspolitik einbringen sowie Maßnahmen zur Stärkung des Schifffahrtsstandortes Deutschland und der Deutschen Flagge vorantreiben. Gestützt auf die vorhandenen Ansätze zur gemeinsamen Vermarktung der norddeutschen Seehäfen als German Ports wollen wir unsere Marketingstrategie weiterentwickeln. Mit dem Jade Weser Port existiert eine gelebte Hafenkooperation mit unseren niedersächsischen Partner*innen. Durch den Einstieg der Hapag Lloyd hat der Jade Weser Port die Chance, die von Beginn an in ihn gesetzten wirtschaftlichen Potenziale und Umschlagziele zu erreichen. Daher wollen wir an dieser Kooperation auf der Grundlage einer fairen Teilung von Kosten und Nutzen zwischen Bremen und Niedersachsen festhalten und sie weiterentwickeln. Das Havariekommando hat sich in den Vorfällen der Vergangenheit sehr gut bewährt.
Wir setzen uns gemeinsam mit den anderen Küstenländern und dem Bund dafür ein, dass die Leistungsfähigkeit des Havariekommandos auch den neuen Herausforderungen im Zusammenhang mit zunehmenden Verkehren und dem massiven Aufbau von Windparks in Nord- und Ostsee und den daraus resultierenden Risiken von Havarien angepasst wird.
1567 1568 1569 1570
Werftquartier Die Entwicklung des Werftquartiers sehen wir als ein herausragendes Stadtentwicklungsprojekt für Bremerhaven an.
Koalitionsvertrag für die 21. Wahlperiode der Bremischen Bürgerschaft
36
1571 1572 1573 1574 1575 1576 1577 1578 1579 1580 1581
Die Koalition wird: • dafür Sorge tragen, dass das Land die Stadt Bremerhaven bei diesem Projekt weiterhin intensiv durch die Bereitstellung von Landesflächen und beim Ausbau der erforderlichen Infrastruktur unterstützen wird. Hierzu gehören die bereits in der Fastlane Mobilität vorgesehenen Brückenbauten im Bereich des Werftquartiers. Zusätzlich wollen wir im Zuge der Realisierung des Geestesperrwerks eine geeignete Querung für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen schaffen. • den Bereich der Klußmannstraße und dem Handelshafen/Forschungshafen, in dem das Land mit der Herrichtung der ehemaligen Verwaltungsgebäude der Deutschen See und der Nordsee den ersten Meilenstein für eine Erweiterung des Alfred-Wegner-Instituts (AWI) gesetzt hat, gemeinsam mit der Stadt Bremerhaven zu einem maritimen Campus weiter entwickeln und dafür die planerischen Grundlagen schaffen.